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Kool Herc hatte einen Teil dieser Kultur zusammen mit den dezibel-starken Lautsprechertürmen in die West-Bronx mitgebracht - nur das er statt Reggae nun Salsa uns Funk mischte, statt jamaikanischem Patois im hippen Strassen-Slang der Bronx über seine Platten sprach. Die Konzentration, die ihm das Abspielen winziger Break-Splitter abverlangte, liess Herc bald einen eigenen Master of Ceremony oder MC anstellen. Seine Aufgabe war es, dem jamaikanischen Toaster ähnlich, die Menge mit witzigen Sprüchen auf die Tanzfläche zu locken.
Hercs Gebrauch des Break-Beat lieferte gleichzeitig ein frühes Beispiel des Sampling, inzwischen eine (von digitalen Samplern bewältigte) Standart-Praxis im Hip Hop. In einem Gang-Mitglied aus der Bronx namens Afrika Bambaataa fand er einen glühenden Verehrer (Bambaataa): "Als ich hörte, was Herc, dachte ich mir, die Platten hab ich auch alle, warum soll ich nicht selbst ein Soundsystem aufbauen?"
Afrika Bambaataa, dessen eklektizistischer Elektro-Funk seit der Single "Planet Rock" (1982) zur Hip Hop-Klassik gehört, hatte keine Scheu, Kraftwerk mit den Rolling Stones, den Titelsong der TV-Serie "The Munsters" mit ein paar Takten klassischer Musik zu mixen: "Hip Hop beinhaltet alle Musik der Welt, um einen Beat einen Groove oder eine Basslinie daraus zu entnehmen."
Mit dem Abflauen der Gang-Aktivitäten Mitte der 70er Jahre band Afrika die Jugendlichen aus der Nachbarschaft in seine Zulu Nation ein: ein loser Zusammenschluss von Rappern, Break-Dancern und Graffiti-Künstlern. Der Wettbewerb in den verschiedenen Hip Hop-Disziplinen hatte die zuvor allbeherrschende Gewalt von den Strassen zurückgedrängt. DJs duellierten sich mit ihren Soundsystemen in öffentlichen Parks Break-Dance-Crews traten gegeneinander an, Graffiti-Sprayer schlichen sich nachts in die Depots der New Yorker Metro. Hip Hop war jung, anarschisch und voller Aufbruchstimmung. Tony Silvers Dokumentarfilm "Style Wars" (1983) und Ahearns Low-Budget-Feature "Wild Style" (1983) geben den den Enthusiasmus einer Zeit wider, als Breaker, Rapper und Sprayer noch gemeinsam auftraten, um Originalität zu demonstrieren. (Wenig später sollte die Hip Hop-Industrie die schwerer vermarktbaren Graffiti und Break-Dance links liegen lassen bzw. sie allenfalls sporadisch für Videoclips aus dem Untergrund holen.)
Nach Kool Herc fingen zahllose Ghetto-Kids an, die Plattensammlungen ihrer Eltern zu plündern. Joseph Saddler hatte Glück. Sein Vater war ein enthusiastischer Plattensammler gewesen. Er war auch ein Bronx-Bewohner mit jamaikansicher Abstammung, er perfektionierte Saddler alias Grandmaster Flash die Technik des Mixens. Als gelernter Elektroniker baute er sich für seine zwei Plattenspieler ein Mischpult mit Vorhör-Einrichtung. Nun konnte er eine musikalische Phrase oder einen Vokal-Schnipsel zielgenau über eine gerade laufende Platte ein- und ausblenden. Theodore Livingston, 13jähriger Kumpel von Grandmaster Flash, brachte eine weitere Manipulationstechnik ins Spiel: "Scratching". Während der DJ die Platte mit der Hand vor und- zurückgedreht, bleibt die Nadel in der Rille liegen. Das dabei entstehende Geräusch konnte wie ein Perkussions-Instrument den Track auf dem anderen Plattenspieler interpunktieren.
Ende der 70er verlegte sich das Gewicht
immer mehr auf die Rolle der MCs, die (in der Tradition des Jive-Talk schwarzer
Radio-Ansager der Fünfziger und populärer Disco-DJs wie
Eddie Cheeba und Frankie Crocker) hippe Sprüche wie "throw your hands
in the air, and wave 'em like you just don't care" auf die Menge losliessen.
In sogenannten Rhyme-Battles ging es nun auch um die verbale Vorherrschaft
- Schlagfertigkeit, die dank obszöner Abzählreime wie "The Dozens",
schwarzer Komiker wie Rudy Ray Moore oder Pigmeat Markham und Spoken Poetry-Künstler
wie Jalal von den Last Poets (viele Old School-Rapper können seine
1973 unter dem Pseudonym Lightnin' Rod veröffentlichte "Hustler's
Convention" vollständig rezitieren) fest in der Black Community verwurzelt
war. Doch noch niemand dachte daran, Platten herauszugeben. Statt dessen
zirkulierten Kassettenmitschnitte von Live-Auftritten in der Bronx und
anderen New Yorker Stadtteilen. "Wir hatten Tapes, die sozusagen Platin
verkauften, bevor wir überhaupt etwas mit der Plattenindustrie zu
tun hatten." Erinnert sich Jazzy Jay von der Soul Sonic Force.
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