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Interview mit Smudo von den Fantastischen Vier
Vier Jahre ist es her, seit die Fantastischen
Vier mit "Lauschgift" ihr letztes Studioalbum veröffentlicht haben.
Jetzt erscheint ihr neues und siebtes Album "4:99", von welchem die erste
Single-Auskopplung "MfG" bereits auf bestem Weg
ist, die meistverkaufte Single der Gruppe zu werden. Sonicnet hat sich
mit Smudo zu einem Gespräch über ihre neue Platte, über
Freiheit und über Szene-Animositäten
getroffen.
Ihr habt seit eurer letzten Platte "Live & Direkt" ein eigenes Studio aufgebaut.Wie sind eure Erfahrungen mit der neuen Selbstbestimmung? Seid ihr fernab von Kontrolle und Zeitdruck nie Gefahr gelaufen, bei so viel Freiraum ins Beliebige abzudriften? Doch, auf jeden Fall. Die Freiheit muss ja kontrollierbar sein. Das ist wie bei superreichen Leuten, die alles haben und trotzdem nicht glücklich sind, weil ihnen die Ziele für die sie kämpfen verloren gegangen sind. Bei uns im Studio ging es uns ganz ähnlich, wobei das Bemühen, die Ideen von vier verschiedenen Köpfen unter einen Hut zu bringen uns immer dazu zwang, uns zu definieren. Gerade die Möglichkeit, beliebig lang an einem Stück herumzubasteln birgt tatsächlich die Gefahr dass du dich verzettelst. Da war dann auch unser Manager Bär wichtig, der die Fähigkeit besass uns auch mal im richtigen Moment beiseite zu nehmen und zu sagen: "Das Album, das muss jetzt auch mal fertig werden, sonst kommt das erst nach dem Sommer raus."
Gibt es Aussenstehende, die euch sagen können: Hey Jungs, diese Nummer ist ja nun wirklich nicht so der Hammer? Na klar, unsere Freunde und unsere Familie und natürlich gewisse Musikerkumpels. Die fragen wir gerne mal um eine kompetente Meinung. Es ist uns dabei nicht mit Leuten geholfen, die ihre Meinung nicht sagen können und uns dann nur schmeicheln. Wenn ich jemanden gut kenne und der mir seine Meinung sagt, muss das nicht bedeuten, dass ich mit der übereinstimme. Aber ich kann mir vorstellen, was er meint. Wenn mir meine Mutter sagt: "Das ist mir zu kompliziert", mach ich's deshalb nicht unbedingt weniger kompliziert, aber ich verstehe wie es bei ihr ankommt.
Mit Ralf Goldkind habt ihr eine ungewöhnliche Verstärkung für eure Produkion beigezogen. Wir hatten bei der Produktion einige Leute mit ins Boot genommen, die für uns sehr wichtig waren. Ralf Goldkind ist Gitarrist bei der Band Lucilectric. Er ist aber zudem, ein Produzent und Soundspezialist allererster Kanone. Wir haben uns mal nach einem Konzert von Lucilectric kennengelernt, wo er sich als grossen Fanta-Fan outete. Er ist zudem ein witziger Typ, total schräge. Bei uns hat er im Prinzip das gemacht, was man bei Hip Hop-Produktionen sowieso macht. Er war dabei wenn wir produzierten und hörte zu. Und wenn er eine Idee hatte sagte er: "Ja ... hier so'n Ding..." und dann fing er an mit seinem Soundlabor Sounds zu produzieren. Er hatte immer ein paar Synthies dabei, und er spielt auch sehr gut Gitarre und Trompete.
In eurer eben erschienenen Autobiografie nehmt ihr mehrfach Bezug auf den Vorwurf des Ausverkaufs der euch in der Hip Hop-Szene ja verschiedentlich gemacht worden ist. Inzwischen scheint sich die Situation aber etwas beruhigt zu haben. Die Deutsche Rapszene hat sich emanzipiert. Wir waren damals mit dem Erfolg von "Vier gewinnt" auf eine grosse Bühne getreten, was nur zum Teil geplant war. Wir wollten ja durchaus Popstars werden. Aber was wir nicht wussten, war, dass auf so eine grosse Bühne ausser Blumen auch Tomaten geschmissen werden. Und dass es in so einer Liga nicht mehr reicht, sich nur um die Musik zu kümmern. Da musst du dich auch um dein Image und um Videoclips kümmern. Wir mussten erst lernen in der Bundesliga zu spielen. Wir haben einige Fehler gemacht, die ich so nicht mehr wiederholen würde, aber ich bin froh, dass wir die gemacht haben. Ohne sie wären wir heute nicht schlauer geworden. Wir haben sie ja teilweise auch stellvertretend für andere gemacht.
Ihr seid als Kämpfer an fordester Front
gewissermassen am härtesten unter Beschuss geraten? Wir haben eine
Musik gemacht, die weltweit schon viele Fans hatte. Das ganze in Deutsch
war dann aber doch etwas exotisch. Wir wurden damals von vielen Hip Hop-Fans
schräg angekuckt, weil wir uns nicht an die üblichen Anglizismen
hielten. Und unser Wille Popstars zu werden sowie unser Vertrag bei einem
grossen Label hat uns auch nicht gerade grosse Fans eingebracht in dieser
Ecke, in der wir
sowieso nie Fans haben wollten, weil wir
diese Clichés doof fanden. Da standen Leute auf der Bühne und
schrien Motherfuckers say hoo! Das fanden wir saudoof. Dann war es aber
so, dass wir offensichtlich Ideale - die gar nie unsere waren - ein bisschen
mitverraten hatten indem wir sagten, wir sind eine Hip Hop-Band. Ich kann
das gut verstehen, weil bei den Leuten die Oma nebenan nun dachte, Hip
Hop aus Deutschland, das ist "Die da". Natürlich musste sich die
Underground-Hip Hop-Szene nun Gehör verschaffen und klarmachen, dass
es noch wesentlich mehr als das gibt. Dabei profitierten sie vom frischen
Scheinwerferlicht, welches nicht zuletzt dank unserem Erfolg auf die ganze
Szene geworfen wurde. Im Endeffekt führte das ganze zu einer Emanzipation
des deutschsprachigen Raps."Fettes Brot"
war die erste Band, die aus dem Independent Lager kam und es schaffte,
viele Platten zu verkaufen, ohne dabei so Popular-Experimente zu machen,
wie wir das taten.
Hip Hop hat sich also eine eigene Plattform geschaffen. Ja, und tritt jetzt in die nächste Phase ein. Die Musik und die Kultur die dahintersteht ist heute popularisiert, sie ist da. Jemand der acht ist, spielt Lego, und mit 10 oder 11 ist Hip Hop da. In der Bravo gibt es Psychotests wo sonst stand "Bist du schüchtern?" oder so. Heute steht da: "Bist du 'real'?" Das muss man sich erst mal vorstellen!
Fanta4 ist am 20. Oktober 1999 im Palais Xtra in Zürich!!!