Original CD

 

 

Label:

Warner Bros. (25607-2)

 

Tracklisting:

1. The Township of Eastwick

2. The Dance of the Witches

3. Maleficio

4. The Seduction of Alex

5. Daryl's Secrets

6. The Seduction of Suki and the Ballroom Scene

7. Daryl Arrives

8. The Tennis Game

9. Have Another Cherry!

10. Daryl Rejected

11. The Ride Home

12. The Destruction of Daryl

13. The Children's Carousel

14. End Credits (The Dance of the Witches Reprise)

 

 

 

 

 

 

 

Bootleg (kompletter Score von DVD)

 

 

Label:

Decca (289 467 045-2)

 

Tracklisting:

1. The Township of Eastwick

2. Daryl Arrives

3. Forgotten Name

4. Daryl Van Horne

5. The Seduction of Alex

6. Ubsabe Felicia

7. The Seduction of Jane

8. The Tennis Game

9. The Seduction of Sukie

10. The Ballroom Scene

11. Scandal in the Church

12. Have A Cherry!

13. Have Another Cherry!

14. The Witches Quarrel

15. Devil's Call

16. Daryl Rejected

17. Maleficio

18. Alex and Daryl

19. Voodoo Witches

20. Daryl's Secrets

21. Spitting Cherries

22. The Ride Home

23. The Destruction of Daryl (movie version)

24. The Children's Carousel

25. The Dance of the Witches / End Credits

26. The Ballroom Scene (alternate Version)

27. The Destruction of Daryl (alternate Version)

28. The Dance of the Witches (alternate Version)

 

Besonderheiten:

Original Soundtrack CD. Sehr früh aus der Produktion gegangen, deswegen heute extrem schwer erhältlich.

Erhältlichkeit:

Wer viel Geld hat, sollte es bei eBay probieren. Ansonsten: Aussichtslos.

 

Besonderheiten:

Bootleg CD. Kombiniert Aufnahmen der Original CD, diverse Konzertarrangements von Boston Pops CDs und den Isolated Score Track der DVD. Auf 666 Exemplare limitiert.

Erhältlichkeit:

Wer viel Geld hat, sollte es bei eBay probieren. Ansonsten: Aussichtslos.

 

 

Rezension:

Dies ist sie also, die Mutter aller Sammler-CDs. Jeder ernsthafte Filmmusik-Sammler träumt wohl davon, wenigstens einmal diese CD berühren zu dürfen, geschweige denn, sie sogar einmal zu hören. In Online-Auktionen werden immer wieder horrende Summen für vereinzelt auftretende Exemplare dieses Soundtracks bezahlt, und Bootlegger reiben sich die Hände angesichts der Preise, die man sogar für eine Kopie des Scores auf CD-R verlangen kann. Stellt sich nur die Frage, ob der ganze Hype um "The Witches of Eastwick" auch berechtigt ist, oder ob es sich dabei einfach nur um ein Prestigeobjekt handelt, das zwar grottenschlecht ist, aber mit dem man prächtig angeben kann...

Zunächst sollte man ein paar Bemerkungen zum Film machen. The Witches of Eastwick ist eine sehr düstere und sarkastische "Gruselkomödie", die aufgrund der doch recht heftigen, will sagen, sexuell orientierten, Dialoge, ein ab18-Rating aufgedrückt bekam. Auch wenn die Bilder eher harmlos sind, so haben es die Dialoge doch in sich, und somit ist der Film eher nichts für Zartbesaitete. Und nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, war mein erster Gedanke, warum wohl ausgerechnet Williams den Score für diesen Film geschrieben hat, und nicht etwa Danny Elfman, der sich diesen düsteren, sarkastischen und abgefahrenen Stil mit seinen Scores aus dieser Zeit ja geradezu auf die Fahne geschrieben hatte. Wie auch immer, ich war jedenfalls froh, daß Johnny diesen Film gemacht hat, bringt er uns doch einen seiner frischesten und einfallsreichsten Scores der 80er Jahre.

Der offizielle Soundtrack zu "The Witches of Eastwick" beginnt, wie der Film auch, mit dem wundervollen Cue "The Township of Eastwick". Im Film sehen wir Luftaufnahmen von einem verträumten, gemütlichen kleinen Städtchen irgendwo in New England, und so harmlos wie der Film, beginnt auch der Score. Ein verträumtes, wenn auch schon leicht skuril anmutendes Thema eröffnet den Score, doch schon nach dieser kurzen Einführung fährt John Williams stärkere Geschütze auf und beginnt damit, die anrückende Gefahr (in der Gestalt von Jack Nickelson) anzudeuten. Während man immernoch die Lufaufnahmen des kleinen Städtchens sieht, setzt plötzlich eine einzelne Violine ein, und führt das Hexen/Teufels-Thema ein, das vor allem durch seine vielen Tritonus-Intervalle charakterisiert wird. Allein das ist schon beachtenswert, ist doch der Tritonus das "Teufelchen" der Musik, und das perfekte Intervall, um den "Teufel Persönlich" zu charakterisieren. Dennoch wirkt dieses musikalische Mittel nie plump und ungeschickt, im Gegenteil. John Williams versteckt den Tritonus so geschickt in seinen Arrangements, dass man eigentlich als erster eher reine Intervalle hört, und erst bei näherem Hinhören den Tritonus irgendwo versteckt heraushört. Dazu kommt noch die perfekte Orchestrierung, und fertig ist die perfekte Eröffnungssequenz für einen Film, denn die Eröffnungssequenzen dieses Films leben *ausschließlich* durch die Musik. Die Musik erzählt dem Zuschauer bereits in dieser kurzen Einführung den kompletten Film, ohne aber zuviel zu verraten, und die Bilder haben eher sekundären Charakter. Nach "The Township of Eastwick" folgt das eigentlich Hauptthema des Films, "The Dance of the Witches", das ironischerweise für einige Neuaufnahmen von Williams kurzerhand in "The Devil's Dance" umbenannt wurde. Aber ob nun "Hexentanz" oder "Teufelstanz", "The Dance of the Witches" ist "pure fun". Das Stück basiert im Wesentlichen auf dem Material, das schon im ersten Track eingeführt wurde, allerdings in ziemlich wilden Variationen und etwas anders rhythmisiert. Obwohl komplett im 4er-Takt geschrieben, verleihen diesem Stück die vielen 16tel-Triolen doch einen sehr tänzerischen, fast schon walzerartigen Charakter. Während des Stückes wird das Hauptthema immer wieder von verschiedenen Instrumenten aufgegriffen und von wilden Einwürfender Holzbläser und Streicher begleitet, und man merkt deutlich: John Williams hatte wohl seinen Spaß beim Schreiben dieses Scores. "Dance of the Witches" ist auch der Hauptgedanke des ganzen Scores, taucht er doch immer wieder in mehr oder weniger verfremdeten Ausführungen während des gesamten Scores auf. Besonders zu erwähnen ist hier der Track "The Ride Home", ein weiteres Beispiel für Johns Fähigkeit, Musik perfekt zum Film zu synchronisieren. Das Stück ertönt während Daryls (Jack Nicholsons) wilder Autofahrt zurück nach Hause (gegen Ende des Films), und insgesamt kann man diese Sequenz nur als ein Paradebeispiel meisterhafter Filmmusik bezeichnen. Williams variiert das Thema immer genau passend zur jeweiligen Szene, ohne dabei ins gefürchtete "Mickey Mousing" zu verfallen; die gesamte Musik ist perfekt zum Film synchronisiert, fügt den Bildern eine weitere Dimension hinzu, und auch außerhalb des Films bleibt ein fantastisches Stück Musik übrig.

Ein weiteres Highlight des Scores ist "The Tennis Game", ein weiteres ziemlich verrücktes Stück, das aber im Gegensatz zum "Devil's Dance" eher als Scherzo mit Piano und Holzbläsern als tragenden Instrumenten konzipiert ist. Auch hierbei handelt es sich um ein wunderschön abgedrehtes Stück, das perfekt die jeweiligen Szenen im Film untermalt, die Szene sozusagen "erklärt" und ihr erst ihren skurilen Charakter gibt, und darüber hinaus auch ganz hervorrangend auf CD wirkt. Der Rest des Scores ist ebenfalls überdurchschnittlich; aufgrund des "teuflischen" Themas des Films wird auch der Score of von wilden Streichern dominiert, und alles in allem ist "The Witches of Eastwick" ein einerseits eher ungewöhnlicher Williams-Score, der aber andererseits die von Williams fast schon gewohnte Genialität und Perfektion widerspiegelt. Dieser Score ist definitv einer der besten Scores der 80er Jahre, wenngleich er auch nicht ganz an den schwelgenden Romantizismus von Williams' E.T.-Score heranreicht. 

Zum Abschluß möchte ich dann doch noch ein paar Worte über die verschiedenen Möglichkeiten, diesen Score zu bekommen, loswerden. Der Original-Soundtrack ist, wie gesagt, einer der seltensten Soundtracks überhaupt, und wer nicht das nötige Kleingeld hat, um ihn für oftmals mehrere hundert US-Dollars beispielsweise bei eBay zu ersteigern, hat oftmals keine Chance, an diesen Score zu kommen. Zwar erschien vor ein paar Jahren eine exzellente Bootleg-CD, die den kompletten (!) Score in herausragender Soundqualität, sowie als Bonus noch einige zusätzliche, damals schwer erhältliche Williams-Stücke enthielt, aber auch diese Bootleg-CD wurde, dank ihrer geringen Auflage von nur 666 Exemplaren genauso schnell zum Sammlerobjekt wie die Original-CD, und wird heute oftmals für mehr Geld als das Original bei eBay versteigert. Tja, was gibt's sonst noch für Möglichkeiten? Die billigste Lösung ist wahrscheinlich die Boston Pops CD "Salute to Hollywood" (Philips, 422385-2, dirigiert von John Williams), die neben einer Reihe anderer Film- bzw. Broadway-Themen auch zwei Stücke aus "The Witches of Eastwick" enthält, nämlich "The Ballon Sequence" und "Devil's Dance", aka "Dance of the Witches". Allerdings finde ich das Konzertarrangement von "Devil's Dance" nicht ganz so packend wie die Filmversion, aber es ist trotzdem ganz nett und durchaus hörenswert. "Salute to Hollywood" ist hierzulande allerdings auch nahezu unmöglich zu beziehen, allerdings sollte es kein Problem sein, die CD über einen der amerikanischen Online-Musikhändler wie CDnow zu bestellen. Desweiteren erschien diesen Sommer in Japan eine CD namens "Keisuke Wakao plays Music of John Williams", eine Sammlung der interessantesten Williams-Themen, arrangiert für Oboe, Streichquartett, Piano und Harfe, und enthält neben fantastischen Aufnahmen von "The Accidental Tourist", "Superman", "Schindler's List", "Stepmom" oder "Jane Eyre" auch den heiß begehrten "Devil's Dance" in einer atemberaubenden Aufnahme, die von Vitalität und Spielfreude nur so sprüht (Denon, 1999, COCQ-83115). All diesen Aufnahmen ist allerdings gemein, dass ihnen das eigentlich Glanzstück des Scores fehlt, nämlich "The Township of Eastwick". 

Doch auch hier kann Abhilfe geschaffen werden: Wer einen DVD-Player sein Eigen nennt, läßt sich einfach aus den USA die Region1-DVD des Films kommen, die auf einer separaten Audio-Spur den kompletten Filmscore inklusive aller Source-Cues enthält. Finger weg allerdings von der kürzlich erschienenen deutschen Region2-Version, die statt des Isolated Score Tracks nur unterschiedliche Sprachversionen enthält... Nachteil dieser Lösung: Zwar bekommt man mit der DVD unter anderem "The Township of Eastwick", dafür sind die End Credits (The Dance of The Witches) um gut eine Minute gekürzt. Dafür hat man die Gelegenheit, sich das Zusammenspiel zwischen Bildern und Musik, das bei diesem Film ganz meisterhaft ist, genau zu analysieren, ohne sich dabei von störenden Dialogen ablenken zu lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass Warner Bros. irgendwann die Nachfrage nach diesem Score bemerken, und sich irgendwann zu einer Neuauflage entschließen. Bis dahin wünsche ich allen Filmscore-Fans: Happy Hunting :)

Oliver Reichhardt, 3.10.1999

Partituren:

Das Hauptthema von The Witches of Eastwick ist als Arrangement für Concert Band erschienen.