Lake  1972
Interview mit Detlef Petersen

Es war 1972, als auch Detlef Petersen die in Norddeutschland seit Jahren bekannten und beliebten "Tornados" verließ, um selbst in der Schallplattenbranche als Produzent tätig zu werden. Andere Bandmitglieder schieden ebenfalls aus und Reimer Singelmann, seit jeher Boss der "Tornados", hatte große Sorgen, um das letzte Häufchen Unglück zusammenzuhalten. Innerhalb von drei Monaten hörte er sich ca. 50 Bewerber an und im Juli 1972 stelle er seine neuen "Tornados" erstmals der Öffentlichkeit vor. "Wir werden die Nr. 1" so die Prophezeiung der neuen Musiker nur der Name "Tornados" gefällt uns nicht. Man einigte sich auf den Namen "Lake", unter diesem Namen sollte auch die erste Schallplatte erscheinen. Zu dem Namen Lake, Reimer Singelmann;" Sieben Ströme verschiedener Nationalität, unterschiedlichsten Temperaments und musikalischen Ursprungs fließen zusammen, mischen sich, ergeben einen brodelnden See vitaler musikalischer Kraft; Lake". Die sieben Musiker brachten soviel Eigenständiges in die Gruppe ein, daß sich - 
zumindest für deutsche Verhältnisse - eine neue Spielart des Rock entwickelte: die bisher typischen Saxophone wurden durch einen reinen Blechsatz ersetzt. Zusammen mit den guten alten bewährten Elementen des "good old Rock'n Roll" und einer modernen musikalischen Auffassung ergibt  sich ein Sound, der Freude macht und zum Tanzen einlädt. An der unter dem Namen "Lake" veröffentlichten Schallplatte "King Of The Rock'n Roll Party", war maßgeblich der "Ur - Tornado" Detlef Petersen beteiligt, er arrangierte und produzierte die Titel der ersten Platte, unterstützt von dem Texter John O' Brien Docker. Die damalige Besetzung von "Lake" bestand aus: Ian Cussick 
- geboren in Dundee/Schottland, trat nach der Schule gleich als Sänger in eine Band ein, bereiste Schottland und England und kommt in der Musikrichtung vom Heavy-Rock. Er ist ein begeisterter Hobbymaler und träumt davon einen Ford Mustang zu fahren. 

Geoffrey Peacey, alias Geoff 
- kommt aus dem englischen Cinderford, spielte schon als Kind dort Klavier und nach der mittleren Reife in seiner ersten Band, war Mitglied von "Mott The Hopple" und Gary Glitters "Boston Show Band". Spielte neben Keyboard Bass und Gitarre hört gerne Carol King, Rod Stewart und die Ekseption, bastelt oft an Verstärkern und ist der einzige Frühaufsteher von "Lake". 

Bernhard Whelan, alias Benny 
-Trompeter aus Dublin wuchs mit irischer Folklore auf und wurde durch einen Amstrong - Film erst Amateur -,denn Profimusiker. Mit Geoffrey traf er in der ersten "Boston Show Band" zusammen, er mag Maggie Bell, Rod Stewart und Chicago, wünscht sich einen roten Masarati und ist ein leidenschaftlicher Fußballspieler. 

 Oreste Malgia, alias Lilo 
- Gitarrist aus der italienischen Autostadt Turin, daher sein Wunsch nach einem Lamborgini, stieg nach dem Abitur in eine Band ein, mit der er Spanien, Holland, Frankreich und Skandinavien bereiste. Für seinen Lebensunterhalt spezialisierte er sich auf Barmusik a la' Südamerika, stieg auf Rock um und schätzt neben Shirley Bassey und Stevie Winwood vor allem Santana. 

Gerd Beliaff
- Sohn russischer Eltern, stammt aus Husum, wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf (Mutter Mozarteum Salzburg, Vater Balalaika -Virtuose), lernte nach der Schule Kfz-Mechaniker und holte sich abends die ersten Show- Erfahrungen zwischen Jazz und Pop. Ein absoluter Fan von Doldinger, Ella Blood, Sweat & Tears und Albert Mangelsdorf. Er bastelte gern und spielte 
nebenbei Saxophon und Querflöte. 

Fritz Graack, alias Freddy 
- stammt aus dem niedersächsischen Verden und tauschte mit seinen 22 Jahren eine Karriere bei der Post gegen das Dasein eines Berufs - Drummers; hielt sich mit Barmusik für Strip Shows über Wasser, spielte und bereiste ganz Europa mit Soul- Jazz- und Rock-Gruppen, schätzt u. a. James Brown, Jo Cocker und die Faces, möchte den Lamborgini von Lilo haben und hat vom langen schlafen schon Moos auf dem Rücken. 

Martin Tiefensee
- spielt Bass und Gitarre, stammt aus Neumünster, lernt Fernmeldetechniker und spielte mit 16 Jahren in verschiedenen Bands. Gilt als Blues - Experte von Lake, besuchte das Abendgymnasium. Hört gern If, Carole King und David Clayton-Thomas, hätte gerne einen Volvo, ist Spezialist für Erbsensuppen bei denen er per Geruch die Hersteller unterscheiden kann. 


LAKE 1973

Die international besetzte Band, die im Januar 1973 unter dem Namen Lake «unkomplizierten Heavy-Rock mit energischem Bläsersatz» (Selbstdarstellung) spielte,bestand aus dem Schotten lan Cussick (Gesang), den Deutschen Martin Tiefensee (Bass), Gerd Beliaeff (Saxofon) und Fritz Graack (Schlagzeug), dem Italiener Oreste Malagia (Gitarre), dem Iren Bernhard Whelan (Trompete) und dem Engländer Geoffrey Peacey (Keyboards). Whelan und Peacey spielten vor- 
dem in Gary Glitters Boston Show Band, Cussick kam durch eine Melody Maker-Anzeige zu der Heider Tanzmusik-Band Tornados (der – bis auf   Alex Conti – alle heutigen Lake-Mitglieder angehörten). Im Hintergrund: Detlef Petersen, ebenfalls Tornado-Mitglied, der schon in der ersten Stunde die Lake-Titel schrieb, arrangierte und produzierte. So auch «King of The Rock'n'Roll Party», die erste, im April 1973 erschienene Single. Für die im Herbst 1974 erschienene dritte Single «Sailor», schon mit dem heutigen Lake - Stil vergleichbar, war eine neue Formation im Studio: Neben Geoff Peacey und Martin Tiefensee nun der Schotte James Hopkins Harrison (Gesang), der Amerikaner Spencer Mallinson (Gitarre) und der Schleswig-Holsteiner Dieter Ahrendt (Schlagzeug). Für Mallinson nahm im Frühjahr 1975 der Kanadier Andy Carson die Gitarre in die Hand. Im Herbst 1975 wurde schließlich Alex Conti neuer   Lake-Gitarrist. Conti spielte von 1969 bis 1973 bei der Berliner Rockgruppe  Curly Curve, wurde anschließend  < Atlantis- Mitglied > und half bei der Geburt der Rock'n'Roll-Truppe < Rudolf Rock & die Schocker. Für spärliche Gagen tingelte Lake durch norddeutsche Dorfkneipen und Hamburger Clubs, wie z. B. das «Top Ten». Mit Petersen - Kompositionen, einem erheblichen finanziellen Vorschuß und der Devise «die Lieder, die man im Studio spielen will, muß man gut draufhaben, man darf nicht erst dort auf die göttliche Eingebung warten»mit (Petersen) ging Lake Mitte 1976 in das englische Sawmills Studio. Das Debüt-Album «Lake», im Klangbild an Steely Dan erinnernd und durch perfekten Harmoniegesang bestechend, muß zu den besten deutschen Rock-Produktionen gezählt werden. Daß Lake «live absolut das hält, was sie auf Platte versprechen» (SOUNDS) zeigte sich auf einer Deutschland-Tournee im November/Dezember 1976, als sie im Vorprogramm von Sutherland Brother & Quiver und Wishbone Ash auftraten. Als «Künstler des Jahres/Nachwuchsensemble Pop national» wurde Lake im April 1977 mit dem «Deutschen Schallplattenpreis» ausgezeichnet. Bei einem Konzert im Londoner Marquee-Club (19.5........) wurde Lake ihrem Ruf als «Deutschlands renommierteste Rockband»(SÜDDEUTSCHE ZEITUNG) ebenso gerecht, wie bei Gastspielen mit Genesis in Offenburg (19.6.) und den Open Air Konzerten in Nürnberg (3.9.) und Karlsruhe (4.9.), wo sie neben Santana, Chicago, Rory Gallagher, Thin Lizzy und ~ Udo Lindenberg vor 85 000 Besuchern spielten. «Deutschlands neue Supergroup» (MUSIK JOKER) stellte sich vom 14. Oktober bis 12. Dezember 1977 in Amerika vor. Nach einer 40-Städte-Tournee- zum Teil mit Nektar und City Boy- stand ihr Album «Lake» und die Single «Time Bomb» in den Bestsellerlisten der US-Fachblätter. Die Gesamtverkaufszahl des Debüt-Albums kletterte damit auf rund 350000 Exemplare. Nach einem Auftritt in «Rockpop» (4.3.78) erschien das Album «Lake II», das mit «schlichtweg toll» (SOUNDS) und «angenehm» (MELODY MAKER) kommentiert wurde und international «zwischen der Band 0 und den West-Coast-Vertretern Head East» (NEW MUSICAL EXPRESS) anzusiedeln ist. Während ihrer Deutschland-Tournee vom 7.-29. April ............ füllten sie nicht nur größte Konzertsäle (wie das Congress Centrum in Hamburg) sondern präsentierten mit Chi Coltrane als erste deutsche Band einen amerikanischen Gast-Star im Vorprogramm. Ihr Bühnenvortrag wirkte streckenweise allerdings zu professionell-abgeklärt und emotionslos. Nachdem sich Lake (am 30. Mai..........) in der englischen Fernsehshow «Old Grey Whistle Test» vorstellte, durfte das Hamburger Sextett im Vorprogramm von drei Bob Dylan Konzerten spielen: am 23. Juni in Rotterdam, am 1. Juli in Nürnberg und am 15. Juli in Camberley, wo sie als «nicht berauschend» (MELODY MAKER) und «unangenehmer Anachronismus» (NEW MUSIGAL EXPRESS) empfunden wurden. 

LAKE (Okt. 1976 – CBS 81 661) 
JemesHopkins Herrison (Gesang), Dieter Ahrendt(Schlagzeug, Percussion,                      Gesang), Geoffrey Peacey (Keyboards, Gesang), Alex Contl (Gitarre, Gesang), Martin Tiefensee (Bass) 

LAKE II (März 1978 – CBS 82 651) 
Dieter Ahrendt (Schlagzeug, Percussion), Alex Conti (Gitarre, Geseng), James Hopkins Harrison (Gesang), Geoffrey Peacey (Keyboards, Gitarre, Gesang), Detlef Petersen (Keyboards, Martin Tiefensee (Bass) 

Info: Reimer Singelmann / Musiker Fachblatt