Feiglinge-History

1. Wie alles begann

Norbert Bohnsack besuchte das Gymnasium Osdorf und war ein mittelmäßiger Schüler. Gar nicht schlecht war er allerdings in den Fächern Deutsch und Darstellendes Spiel.
Als in der Projektwoche der Schule ein Kabarett - Projekt angeboten wurde, schrieb sich Norbert dort ein. Für dieses Projekt schrieb Norbert Sketche, die gar nicht mal unlustig waren.
Die Gruppe war ca. 10 Männer/Frauen stark, darunter waren auch ein paar Musiker, zum Teil aus dem Schulorchester und zum anderen Teil aus der Jazzcombo.
Norbert textete außerdem Songs der Beatles, seiner absoluten Lieblingsgruppe in lustige, kabarettistische Liederchen um. Das war auch ganz lustig.
Frederik Timm war auch in dieser Kabarettgruppe. Er war ein untendurchschnittlicher Schüler, gut jedoch im Fach Musik. Er spielte damals Cello im Orchester und Saxophon in der Jazzcombo. Zusammen mit Ulrich Steinebach (Gitarre) und Joja Wendt (Klavier) vertonte er die Songs des Kabarettprogrammes. Darunter war übrigens auch schon der Song ,,Schönheitschirurgie".
Tja, Peter Bohl war auch noch in dieser Gruppe. Er tat sich jedoch zunächst mehr als guter Komödiant und Schauspieler hervor.
Da die Songs größtenteils besser ankamen als die Sketche, beschlossen Norbert, Fred, Peter und Ulrich, mit den Liedern aus dem Programm just for fun Strassenmusik zu machen.
Fred hatte da Bock drauf, er wollte singen, schließlich hatte er gerade seine erste Band, eine richtige Schülerband mit dem Namen ,,Cy Shem" verlassen und wollte singen. Außerdem war er mit Peter gut befreundet, Norbert fand er zwar ein bißchen komisch, aber Ulrich kannte er vom Buffen, der war ganz nett. Peter spielte seinerzeit Bratsche im Schulorchester, war demnach nicht ganz unmusikalisch und schnappte sich einen E-Baß. Dann wurde ein paarmal geprobt und ab gings auf die Strasse...
Das ereignete sich im Herbst 1988...
Mit mäßigem Erfolg und niedrigem Spaßfaktor froren wir uns spielenderweise durch den Herbst, als Norbert plötzlich mit Noten vom ,,Kleinen, grünen Kaktus" ankam.
Wir sollten also zu viert a capella den Kaktus singen. Merkwürdige Idee, aber wir haben es getan. Als auch noch der Manta unser Repertoire bereicherte, fing es an, lustig zu werden.
A capella gab es damals nicht, lediglich die Flying pickets eroberten die Charts mit ,,Only you" und auch die damals sehr erfolgreichen Housemartins waren mit ,,Caravan of love" gut dabei. Eben jenes Lied textete Norbert in ,,Bum Bum Boris" um, und die Leute fuhren voll drauf ab. -
Trotzdem stieg Ulrich aus, er hatte schlicht und ergreifend keinen Bock auf Strassenmusik. Bevor er ging,
trug er noch zur Findung des Bandnamens bei :
Ein verregneter Nachmittag in Wedel, einem Vorort in Hamburg. Keiner außer Norbert hatte Lust, sich in
irgendeine Ecke zu stellen und komische Lieder zu singen.
Unverrichteter Dinge zogen wir wieder ab, Norbert war superstinkig, und Peter malte an die beschlagene Heckscheibe des Busses den Namen Norbert und die Feiglinge, und alle nickten beiläufig.

2. Die Manta - Story

Die nächste Zeit war schwierig. Ulrich war weg, wir hatten keinen Gitarristen mehr. Peter präsentierte mit Hummi einen Nachfolger, das interessierte Fred jedoch herzlich wenig, er wollte wieder Rockmusik machen, schwänzte angesetzte Proben und verschwand ein bißchen aus dem Feiglinge Dunstkreis. Ohne sein Wissen wurde bereits mit einem designierten Nachfolger geprobt.
Bei einer Geburtstagsparty, wo zufällig alle vier anwesend waren, wurde dem Gastgeber leicht alkoholisiert der kleine , grüne Kaktus vorgetragen, ein Riesenerfolg, der die Vier wieder zusammen schweißte. Hummi war die neue treibende Kraft, er regte an, durch die Hamburger Kneipen zu ziehen und den Gästen kleine, zehnminütige Gastspiele vorzutragen. Dazu lief ein hübsches Mädchen mit einem Hut durch den Laden und sammelte Markstücke ein. Die Not zwang uns, rein a capella zu singen. Als sich Peter einen Kontrabaß auslieh, konnten wir dann auch den Manta bringen. Das Rolldach von Norberts Ente wurde aufgerollt, und zu viert mit Kontrabaß tingelten wir mit Erfolg durch Hamburgs Kneipen.
Im Café Strauß sah uns ein Mitarbeiter von Radio Hamburg, einem damals neuen und innovativem Hamburger Privatsender und lud uns ein, für die sensationelle Gage von 400 Mark auf der Weihnachtsfeier von Radio-HH dem Personal vorzuspielen, das war Weihnachten 1989...
Der Auftritt war ein großer Erfolg und die Redakteure entschieden sich, uns in ihr Studio einzuladen und den Manta-Song aufzunehmen. In der Silvestersendung wurde der Manta gespielt. Die Telefone glühten, die Hörer wollten das Lied nochmal, nochmal und nochmal hören, da ahnten wir, das es an der Zeit war, eine Platte aufzunehmen.
Der Kontakt zu einer kleinen, unabhängigen Plattenfirma wurde geknüpft und flugs wurden vier Titel für eine Maxisingle eingespielt. Mit einer Auflage von 1000 Exemplaren, was uns damals reichlich viel erschien, ging die Platte an den Start. Wir schickten 200 Exemplare zu RadioHH, die die Platte sofort spielten und
bekanntgaben, daß 200 Stück am Radio-HH-Verkaufstresen sofort zu haben waren. Diese 200 Stück waren innerhalb von 20 Minuten vergriffen, und so trat der Manta seinen unglaublichen Siegeszug durch Deutschland an.
Plötzlich waren wir Stars, kriegten hohe Gagen und spielten vor vollen Hallen.
Als wir das Video zu Manta drehten und über Radio-HH einen Aufruf starteten, daß wir für die Dreharbeiten am Hamburger Fischmarkt ca. 20 Mantas inkl. Fahrer brauchten, erschienen über 300 Mannis aus ganz Deutschland und machten ein großes Medienspektakel aus der Sache.
Der Manta kletterte auf Platz 7 der deutschen Charts, wir traten im Fernsehen auf und auch die Mädchen fanden uns ganz toll.
Die Manta-Witz-Welle begann, zu rollen und flugs wurden zwei grottenschlechte Manta-Filme aus dem Boden gestampft, von dem der eine, nämlich Manta - der Film (nicht der mit Til Schweiger) unseren Song als Titelsong verwendete.
Schnell lernten wir auch die Kehrseite eines solchen Erfolges kennen.
Förmlich überrollt von dem Erfolg, mußten wir schnell eine Album aufnehmen, das im Vergleich zu Manta ziemlich floppte, wir spielten auf Strassenfesten und wurden als ,,Opel-Manta-Band" angekündigt. Bis auf den Manta wurde unser restliches Repertoire gar nicht recht wahrgenommen, und so wurden wir, als wir vor versoffenen Bierzeltbesuchern auftraten, auch schon mal mit Bier bespritzt und mit Flaschen beworfen. Die Leute wollten bis auf wenige Ausnahmen nur den Manta und nichts anderes hören, und genau das ging uns ziemlich schnell auf die Nerven.
Wir schrieben in den zwei Jahren nach Manta, also zwischen 1990 und 1992 viele neue Lieder, unter anderem auch die Manta-moll-Version, mit der wir endgültig Abschied vom Manta nehmen wollten. Bis auf Hamburg, wo wir ja nicht nur durch den Manta bekannt waren, waren unsere Konzerte in Restdeutschland sehr schlecht besucht, außerdem war Peter durch seinen Zeichentrick-Job sehr eingebunden, so entfernte sich Peter immer mehr von der Band.
Zudem wurde ,,Zwiebelmett", das von allen Beteiligten zum Manta-Nachfolge-Hit gekürt wurde, von den musikalischen Urhebern, nämlich Abba, nicht genehmigt.
Mit großer Kraftanstrengung nahmen wir 1993 das Album ,,Neue deutsche Felle" auf, das mäßig erfolgreich war. Übrigens, das Lied ,,Bayern hat verloren" wurde von unserer Plattenfirma damals abgelehnt und nicht mit auf die Platte genommen.
Die Tour zur Platte war mäßig gut besucht und immer öfter hörten wir Sprüche wie ,,Ach, Manta war von Euch??"
Peter verließ die Band, nicht nur, ,weil er nicht mehr dahinterstand, sondern auch , weil Fred und er sich ziemlich wegen seiner Freundin verkrachten.
In der Dreierbesetzung Norbert, Fred und Hummi machten wir dennoch weiter, obwohl es eigentlich kaum einen Grund gab, das zu tun. Doch wir wollten der Menschheit beweisen, das wir mehr draufhatten als Manta...
Wir trennten uns daraufhin auch von unserer Plattenfirma, die sich immer heftiger dagegen stemmte, unsere eher ,,schmutzigen" und anstößigen Lieder zu veröffentlichen (,,Carola ist doch nicht witzig").
Wir nahmen das Heft selber in die Hand, gründeten zusammen mit der Veranstaltung-GmbH Karsten Schölermann, die damals für uns nur das Booking besorgten, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und schlossen einen Plattenvertrag mit Line-Records ab.

3. Die Maxi-Periode

In dieser neuen Konstellation enwickelte sich eine Dynamik, wir veröffentlichten ,,Wir sind bei Aldi" , die erste Maxi aus einem Viererzyklus. Es folgte die Maxi ,,Carola" im Frühjahr 1995, die einigen Staub aufwirbeln konnte. Mit großem Abstand zu Manta konnten wir uns auch wieder durch unsere Live Konzerte wieder einen guten Ruf erspielen.
Doch der nächste Schlag folgte. Hummi heiratete eine Französin und zog nach Paris. Inzwischen hat er zwei Söhne und lebt mit seiner Familie in München.
Plötzlich waren Norbert und Fred alleine. Die Entscheidung lag ganz klar entweder bei aufhören oder weitermachen...
Natürlich machten wir weiter, die Frage war nur wie. Norbert singt. Fred singt und spielt mittelmäßig Gitarre, also was tun ? Wir brauchten einen singenden Kontrabassisten, oder einen nicht singenden Kontrabassisten und einen Sänger...
Wir holten Ede Schönleber als Sänger. Ede war aus unserem Bekanntenkreis und obendrein ein Musicalerprobter, guter und gutaussehender Sänger.
Karsten Schölermann schickte Norbert ins Birdland, einem bekannten Hamburger Jazzclub, um einen Kontrabassisten zu suchen. Norbert trank zwei Kristallweizen (das langt ihm schon) und sprach Basti Jensen an, ob der denn Lust hätte, mitzumachen. Er betonte, daß er bisher nur Jazz gespielt habe und noch nie im Leben gesungen hatte. Trotzdem erschien er zum ersten Treffen.
Es war im März 1995, für Juli hatten wir drei Konzertabende im Hamburger Schmidt-Theater fest zugesagt.
Fred war entsetzt, als er Basti zum ersten Mal sah. Designer-Brille, schütteres Haupthaar, Aktentasche,
grauer Rollkragenpulli und Trenchcoat. Mit diesem Mann sollte es aufwärts gehen ??7
Trotzdem wollten wir alle. Wir studierten wie die Deppen bis zum Auftritt im Schmidt ein neunzig-Minuten
Programm ein das tatsächlich mit Erfolg aufgeführt wurde. Basti begann sogar, zu singen. ...
Unser Management ( in personam Karsten Schölermann und Eberhard Gugel ) besorgte daraufhin einen Kontakt mit dem
Filmusikproduzenten und Gitarristen Jens Fischer, stellte einen Extramann für das Konzertbooking ein
(Peter Bauer) und schickte uns zu viert ins Studio, um die Fußball-Maxi ,,Bayern hat verloren" aufzunehmen.

4. Das neue Dreamteam und ,,Bayern hat verloren"

Mühsam ist der Weg.. ..Mit kleinen Schritten ging es stetig nach oben. Ede ging es offenbar nicht schnell genug, und so verließ er uns. Zum dritten oder vierten Mal standen wir vor der Frage, aufzuhören oder weiterzumachen.
Natürlich machten wir weiter. Und wie...
Im Sommer 1995 wurde die Bayern-Maxi veröffentlicht. Sie drohte unterzugehen, aber als Dortmund Meister wurde und Bayern langsam sich wieder nach oben kämpfte und wieder mit arroganten Sprüchen zu alter Form auflief, fing die Maxi wie verrückt an zu laufen.
Norbert und Fred verstanden sich immer besser mit Basti, der nun seinerseits begann, Songs und Textideen zu liefern. Außerdem wurde mit dem Schauspieler Klaus Naeve intensiv an der Bühnenperformance gearbeitet.
Jetzt begannen wir auch, auf unseren Konzerten die Adressen unserer Anhänger zu sammeln. Dank des Engagements von Peter Bauer konnten wir immer öfter und zu immer besser werdenden Konditionen in ganz Deutschland auftreten.
,,Bayern hat verloren" schaffte es zwar nicht bis in die Charts, wird aber zum Dauerbrenner in den Sportsendungen und im Hörfunk, wo das Lied nach jeder Bayern-Niederlage mit Hochgenuß aufgelegt wurde.
Die Besucherzahlen unserer Konzerte stiegen konstant und wir wuchsen immer besser zusammen. Der vorläufige Höhepunkt war dann der Auftritt bei der Meisterschaftsfeier von Borussia Dortmund auf dem Dortmunder Friedensplatz vor über 40.000 Menschen. Übrigens , auch Uli Hoeneß kennt dieses Lied und er fand es natürlich gar nicht soooo witzig.
Mit dem Bayern-Erfolg im Rücken ließ es sich entspannter arbeiten. Die Bandchemie stimmte, wir haften eine Plattenfirma, die uns völlige künstlerische Freiheit ließ, wir hatten einen emsigen Booker und ein kreatives Management.
Nun mußte natürlich als nächstes die vierte und letzte Maxi des Viererzyklusses entstehen, schließlich lockten wir ja die Käufer unter anderem mit dem Versprechen, daß derjenige, der alle vier Maxis besitzt, seine Sammelpunkte einschicken kann und dann eine Bonus-CD erhält.
Also produzierten wir die Rente Maxi, auf der nun auch zum ersten Mal ein Titel von Basti erschien (Meine Haare). Auch die verkaufte sich gut und wir mußten viele, viele Geschenk-CDs verschicken. Machen wir doch gerne.
Es folgten die Weihnachten-Maxi sowie im Jahre 1997 das langerwartete Live-Album.
Mit der Veröffentlichung des neuen Albums ,,Herzblatt" wird nun ein weiteres Kapitel der Geschichte um Norbert und seine Feiglinge aufgeschlagen, und auch im mittlerweile zehnten Jahr unserer Karriere werden wir noch lange nicht müde. Jetzt haben wir sogar eine eigene Homepage. Toll, was?

to be continued...Hahaha!

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